Noch sehen sie fröhlich aus…

wenn der Tierarzt das Einschläfern empfiehlt


- über die Macht und Ohnmacht finaler Prognosen…

Schicksale von betroffenen Tier-Patienten sind uns wahrscheinlich allen bekannt. Diagnosen, von aus schulmedizinischer Sicht "unheilbaren" Krankheiten, die mit lebenslangen Beeinträchtigungen, einem zu erwartenden schweren Leiden oder einer begrenzten Lebenserwartung einher gehen, stehen im Raum und malen ein düsteres Bild an die Wand. So erscheint es fast natürlich, dass wir versuchen „unsere Lieben“ so gut es geht davor zu bewahren. Wir möchten nicht, dass sie unnötig leiden und würden alles tun dies zu verhindern.

Doch was, wenn die Empfehlung des Tierarztes lautet: "Es ist wohl besser, wir erlösen den Patienten, bevor sein Leiden zu groß wird.“
Diese Empfehlung kommt nicht selten völlig unverhofft und verunsichert eine zunehmende Zahl von Tierhaltern. Eine Umfrage unter Tierärzten zeigt, dass die Zahl der Euthanasien deutlich zugenommen hat. Das Argument: Das Leiden der Tiere solle besser ein sanftes Ende finden um ein erwartetes, und möglicherweise zu schmerzhaftes Sterben zu vermeiden.
Aus tierschutzrechtlicher Sicht ist dies eine gesetzlich akzeptierte Indikation, sofern es keine Aussicht auf Heilung gibt und ein unnötiges Leiden der Tiere vermieden werden kann.

Grundsätzlich ist der Gedanke auch ethisch nicht verwerflich und dennoch zeigen mehrere Studien, dass Tierärzte mit dieser Aufgabe nicht selten überfordert sind. In einer dieser Studien wird gar ein Bezug zu der um das 3-Fache erhöhten Selbstmordrate bei Tierärzten im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung hergestellt. Immerhin geht es hier um eine Entscheidung über Leben und Tod von Tieren, die ihren Menschen nicht selten ebenso viel bedeuten wie ein eigenes Kind.

Wenn es heißt, dass einem zu erwartenden schweren und unvermeidbaren Leiden der Tiere durch eine Euthanasie vorgebeugt werden könne, bedarf es Richtlinien um dies zuverlässig einschätzen zu können. Aber sind wir grundsätzlich in der Lage zu prophezeien, wie ein Leiden verlaufen wird? Diesem Dilemma sehen sich Tierärzte und Tierhalter zunehmend ausgesetzt. Die Studie bemängelt zudem, dass Tierärzte in der Praxis mit ihrer Entscheidung in der Regel allein sind.

Der Umgang mit dieser Frage ist ganz offensichtlich alles andere als einfach. Aus homöopathischer Perspektive stellen sich darüber hinaus eine ganze Reihe von Fragen, die im Allgemeinen unbeachtet bleiben und die Anlass genug sein sollten, die Empfehlung zu einer Euthanasie gründlich zu überprüfen.

In meiner mehr als 20-Jährigen Praxis als klassischer Tierhomöopath konnte ich beobachten, dass von den vielen Patienten die mir mit einer Euthanasie-Empfehlung des Tierarztes vorgestellt wurden, gut zwei Drittel nicht an ihrem Leiden sterben mussten. Viele Tierhalter kamen mit der Hoffnung auf eine Alternative zum Einschläfern und durften erleben, dass Ihr Tier gesund wurde.

Aber auch in Fällen, in denen die Krankheit fortschritt, wie bei malignen Krebsleiden zum Beispiel, gab es Hilfe und eine Heilung in dem Sinne, dass das Tier ohne Leiden und ohne Einwirkung von Gewalt friedlich „einschlafen“ konnte, als seine Zeit gekommen war.

Darüber hinaus habe ich zahlreiche Tierhalter erlebt, die emotional äußerst schlecht mit der Entscheidung zur Euthanasie, die letztlich von Ihnen getroffen wurde, umgehen konnten. Selbstvorwürfe, ein schlechtes Gewissen, die Unfähigkeit sich anschließend wieder auf ein neues Tier einlassen zu können und sogar Depressionen habe ich als Folge einer Euthanasie beobachtet. Selbst wenn Tierhalter versuchen sich einzureden, dass es zum Wohl der Tiere sei, bleibt in vielen Fällen eine emotionale Beklemmung zurück.

Ich meine, es ist an der Zeit, dieses Thema erheblich sensibler und vor allem mit einem höheren Grad an Selbstreflexion zu betrachten. Auch weil uns mittlerweile bewusst sein sollte, welche Kraft ein suggestiver Gedanke haben kann. Schätzen wir einen Patienten als unheilbar ein, so steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall sein wird signifikant. Umgekehrt ist es ebenso. Trauen wir unserem Patienten zu, wieder gesund zu werden, steigt seine Chance dies zu erreichen ebenso signifikant. Auch hierzu gibt es zahlreiche Studien die diesen Mechanismus beschreiben.

Der Tod gehört zum Leben dazu und beschreibt den Übergang in einen anderen Seinszustand, bei dem die Seele den Körper verlässt. Dies kann mit einer inneren Balance in Harmonie und Frieden geschehen. Auch wenn der Gedanke hinter der Euthanasie ein ethisch moralischer ist, so bleibt doch der Akt ansich nicht konfliktfrei. Dies gilt für den Tierarzt ebenso wie für den Tierhalter. Wer fragt eigentlich das Tier?

Wir sollten daher bedenken, dass Euthanasie, wie sie durch das Tierschutzgesetz ermöglicht wird, nicht zum Alltag werden darf. Die Verantwortung dafür sollten wir zudem nicht dem Tierarzt aufbürden und bevor wir diesen Schritt gehen, lohnt es sich vielleicht, die Meinung eines Tierarzt-Kollegen und möglich die eines klassischen Tierhomöopathen einzuholen.

Author: Peter Mohr


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